Angesichts erneut steigender Energiepreise hat die Bundesregierung ein Entlastungspaket angekündigt, das ab Juli 2026 wirksam werden soll. Die Strom- und Gaspreise waren in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen, unter anderem infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten und erhöhter Transportkosten auf den internationalen Energiemärkten. Das Maßnahmenbündel umfasst sowohl direkte Entlastungen für private Haushalte als auch Hilfen für energieintensive Unternehmen.
Geopolitische Ursachen des Preisanstiegs
Die jüngste Preisentwicklung geht nach Einschätzung von Energiemarktexperten auf mehrere Faktoren zurück. Die angespannte Lage im Iran und die damit verbundene Unsicherheit auf den Ölmärkten haben zu einer Verteuerung fossiler Energieträger geführt. Gleichzeitig sind die Transportkosten für Flüssigerdgas (LNG) gestiegen, nachdem wichtige Handelsrouten zeitweise eingeschränkt waren.
Hinzu kommt die schrittweise Erhöhung des CO2-Preises im Rahmen des nationalen Emissionshandels. Seit Januar 2026 liegt der Preis pro Tonne CO2 bei 55 Euro, was sich unmittelbar auf die Kosten für Heizöl, Erdgas und Kraftstoffe auswirkt. Die Bundesregierung hatte die Erhöhung als notwendigen Beitrag zum Klimaschutz verteidigt, zugleich aber Ausgleichsmaßnahmen angekündigt.
Die geplanten Maßnahmen im Überblick
Das Entlastungspaket sieht eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß vor. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden bedeutet das nach Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums eine Ersparnis von rund 80 bis 100 Euro im Jahr. Außerdem soll die Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK-Umlage) zum Jahresende abgeschafft werden.
Für Haushalte mit geringem Einkommen ist ein zusätzlicher Heizkostenzuschuss vorgesehen. Wohngeldempfänger und Beziehende von Grundsicherung sollen einen einmaligen Zuschuss von 150 Euro für die Heizperiode 2026/2027 erhalten. Die Mittel werden über die Länder ausgezahlt.
Debatte um die Strompreisbremse
Die Frage einer erneuten Strompreisbremse, wie sie 2023 eingeführt und Ende 2023 wieder abgeschafft worden war, wird in der Koalition kontrovers diskutiert. Die SPD hat eine Deckelung des Strompreises für einen Basisverbrauch ins Gespräch gebracht. Die CDU lehnt dies als zu teuer und marktwirtschaftlich problematisch ab. Bundeswirtschaftsminister hat sich gegen eine pauschale Preisbremse ausgesprochen und stattdessen auf gezielte Hilfen für bedürftige Haushalte verwiesen.
Besondere Sorge bereiten die Energiekosten der deutschen Industrie. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte, dass die hohen Strompreise die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland weiter schwächten. Energieintensive Branchen wie die Chemie-, Stahl- und Glasindustrie forderten verstärkte Entlastungen über die Netzentgelte und eine beschleunigte Senkung der Stromnebenkosten.
Das Bundeskabinett will den Gesetzentwurf zur Absenkung der Stromsteuer noch im Juni beschließen. Eine parlamentarische Behandlung ist für die letzte Sitzungswoche vor der Sommerpause vorgesehen. Die übrigen Maßnahmen sollen teilweise per Verordnung umgesetzt werden und erfordern keine Zustimmung des Bundesrats.